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Bundesverfassungsgericht: Hartz 4 muss neu berechnet werden!
Volker
Labes, Berlin
14.02.2010
Am
gestrigen Dienstag urteilte das Bundesverfassungsgericht das die
Hartz 4 Berechnungen nicht Verfassungsgemäß sind und diese
Sozialleistungen neu berechnet werden müssen.
Nach dem Urteil des
Verfassungsgerichts will die Bundesregierung die Hartz-IV-Regelsätze
schnell neu berechnen. Offen bleibt aber, ob die rund 6,5 Millionen
Hartz-IV-Bezieher, darunter etwa 1,7 Millionen Kinder, nun mehr Geld
bekommen. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sprach
von einem "wegweisenden Urteil". Die "großen Sieger" seien die
Kinder. Die Verfassungsrichter hatten die Regierung in ihrem Urteil
aufgefordert, eine der größten Sozialreformen in der deutschen
Nachkriegsgeschichte nachzubessern. Dies muss bis zum Jahresende
geschehen. Konkret geht es um die Berechnung der Hartz-IV-Regelsätze
für Kinder und Erwachsene. Nach Meinung des Gerichts ist die
bisherige Regelung nicht transparent genug und verstößt deshalb
gegen die Verfassung. Die tatsächliche Höhe der Leistungen für
Kinder monierten die Richter nicht. Bis zur Neuregelung bleibt alles
beim Alten. Laut Bundesagentur für Arbeit können Hartz-IV-Empfänger
aber in Härtefällen einen besonderen Bedarf geltend machen, der
durch die bisherigen Zahlungen nicht gedeckt wird. Es wird aber
erwartet, dass dies nur auf wenige Einzelfälle zutrifft.
Die Richter
kritisierten vor allem, dass der Bedarf von Kindern bis zu 14 Jahren
nicht tatsächlich ermittelt worden sei, sondern vom Existenzminimum
eines Erwachsenen abgeleitet sei. Auf diese Weise würden
beispielsweise Bildungsausgaben für Kinder nicht berücksichtigt.
Verfassungsrichter Hans-Jürgen Papier sprach in diesem Zusammenhang
von "Schätzungen ins Blaue hinein". Kinder seien auch "keine kleinen
Erwachsenen".
Was das Urteil für
Schulkinder konkret bedeutet, ist noch offen. Ministerin von der
Leyen sagte, es seien Geld- und Sachleistungen denkbar. Das
bedeutet, dass der Staat theoretisch Geld für einen Schulranzen
geben könnte, aber genauso gut den Schulranzen selbst zur Verfügung
stellen kann. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte deshalb,
es sei noch nicht sicher, ob die Hartz-IV-Sätze jetzt steigen. Es
könne sogar zu Reduzierungen kommen. Der Koalitionspartner FDP
erklärte, Mehrkosten durch das Urteil seien finanzierbar.
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