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20 Jahre Einheit der Deutschen! Volker Labes, Berlin 08.10.2010 Der in den Deutschen Farben erstrahlende Reichstag war am gestrigen 3. Oktober Schauplatz für Berlins Feierlichkeiten anlässlich des 20. Jahrestages der Deutschen Einheit. Dann taucht sich der Reichstag in die blaue Europafahne und die ersten Takte der Ode an die Freude erklingen, Gänsehautatmosphäre wie vor 20 Jahren als Deutschland zu Mitternacht wiedervereinigt war. Viele Akteure von damals sind zum Festakt vor dem Reichstag gekommen. Auf einer Tribüne, in Decken gehüllt, sitzen der einstige Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Altkanzler Helmut Kohl, die letzte Volkskammerpräsidentin Sabine Bergmann-Pohl, der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher sowie Lothar de Maizière, der letzte DDR-Ministerpräsident. Zehntausende stehen hinter den Absperrungen, verfolgen das Geschehen auf Großleinwänden. Auf den Straßen rund um das Brandenburger Tor feiern insgesamt eine Viertelmillion Menschen den Jahrestag, 400 Künstler traten auf. Die zentrale Einheitsfeier aber fand, den Prinzipien des Föderalismus geschuldet, diesmal in Bremen statt. Insgesamt rund 350.000 Menschen hat die Stadt übers Wochenende angezogen - dazu den Bundespräsidenten. Fünfzehn Minuten dauert es, bis er das Fenster öffnet und der deutschen Integrationsdebatte Frischluft zuführt. Er sei auch der Präsident der Muslime, sagt er in der "Bremen Arena". Christentum und Judentum gehörten zweifelsfrei zu Deutschland, "aber der Islam inzwischen auch". Wulff hat keine Erinnerungsrede an Deutschlands Wiedervereinigung gehalten. Er hat die Ereignisse von 1989 und 1990 für die aktuelle Debatte genutzt: den Mut und den Veränderungswillen von damals für die Gegenwart eingefordert. Und dafür nur eine halbe Stunde benötigt. Richtig überraschen kann das alles nicht. Aber es ist solides Präsidentenhandwerk, wie es vor ihm auch die Präsidenten Roman Herzog, Johannes Rau und Horst Köhler beherrschten. Nur mit einem ist es nicht vergleichbar: mit Richard von Weizsäcker. Der 3. Oktober 2010 könne sein 8. Mai 1985 werden, haben Wohlmeinende Wulff im Vorfeld seiner Rede gesagt. Das war eine Anspielung auf jene Weizsäcker-Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes, den der damalige Präsident als "Tag der Befreiung" deutete - und damit in die Geschichtsbücher einzog.
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