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Wirtschaftsminister Glos (CSU) bittet um Rücktritt!
Als
amtsmüde galt Wirtschaftsminister Michael Glos schon lange. Dass er
am Samstagnachmittag um seinen Rücktritt ersuchte, war nur auf den
ersten Blick überraschend. Denn hinter den Kulissen sucht Horst
Seehofer offenbar seit einer Weile nach Ersatz für Glos. Der wollte
den Zeitpunkt seines Abgangs selbst bestimmen.
Volker
Labes, Berlin
08.02.2009
Am
Samstagvormittag tagte der Vorstand der unterfränkischen CSU. Wie
gewöhnlich traf man sich in den Räumen der Winzergenossenschaft in
Reppernbach, unweit von Glos’ idyllischem Heimatort Prichsenstadt.
Glos, der zu spät kam, informierte über das Konjunkturprogramm der
Bundesregierung. Aus heiterem Himmel, erklärte er seinen perplexen
Parteifreunden, dass er im Juni nicht mehr als
CSU-Bezirksvorsitzender kandidieren werde und ging. Für Diskussionen
blieb keine Zeit.
Kurz darauf verbreiteten die
Nachrichtenagenturen die Meldung, dass der Bundeswirtschaftsminister
dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer den Rücktritt angeboten hat.
Nicht im persönlichen Gespräch oder in einem Telefonat, sondern ganz
förmlich in einem Brief bat der Minister seinen Parteichef Seehofer
um die Demission. Er wolle von seinen Ministerpflichten entbunden
werden, aus Altersgründen und um den Weg für eine Neuaufstellung der
CSU nach der Bundestagswahl frei zu machen. Die Erklärung des
64-Jährigen ist nur auf den ersten Blick honorig. Sie ist gespickt
mit Giftpfeilen. Um den Preis eines geordneten Endes seiner Karriere
scheint Glos sich jetzt für viele kleine Gemeinheiten aus der
Münchner Machtzentrale der CSU zu revanchieren.
Weil die Erklärung an Seehofers Heimatadresse adressiert war, musste
der Parteichef auf der Münchner Sicherheitskonferenz erst über
SMS-Nachrichten alarmiert werden. Seehofer zog sich sofort in die
Staatskanzlei zurück. Er war überrumpelt worden und konnte kaum
anders, als den Rücktritt vorerst abzulehnen.
Die CSU, deren Personaldecke nach der
Wahlniederlage vom vergangenen Herbst dünn geworden ist, sucht
verzweifelt nach einem Nachfolger. Und die große Koalition in Berlin
hält den Atem an. Dass mitten in einer Wirtschaftskrise der
Wirtschaftsminister amtsmüde gehen will, wirft kein gutes Licht auf
die Kompetenz der Regierung. Mittlerweile ist ein mutmaßlicher
Nachfolger in Person von Thomas Bauer gefunden und alles sollte
seinen Gang gehen, Seehofer und Merkel haben unterdessen den
Rücktritt akzeptiert.
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