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17 – Jähriger tot aus Trümmern geborgen!

Volker Labes, Berlin

09.03.09

Als die Häuser von Köln in sich zusammenkrachten, muss der 17-jährige Bäckerlehrling Kevin K. vermutlich im Bett gelegen haben. Er wurde 15 Meter in die Tiefe gerissen. Seine Leiche wurde heute zwischen den Trümmern geborgen. Diss teilte der Kölner Kriminaldirektor Tobias Clauer nach der gerichtsmedizinischen Untersuchung mit. Die Leiche war am frühen Sonntagmorgen gefunden worden. Die Obduktion habe ergeben, dass der junge Mann vermutlich im Schlaf sofort gestorben sei. Das einstürzende Haus habe ihn 15 Meter tief mitgerissen, er sei letztendlich unter dem Niveau des Kellerbodens entdeckt worden.
Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) sprach den engsten Angehörigen des 17-Jährigen auch im Namen von Rat und Bürgerschaft sein Beileid aus. In der Domstadt sei auch eine Gedenkfeier geplant. Die Opferfamilien wurden von Polizei und Notfallseelsorgern betreut.

Nach dem zweiten Vermissten wird nun fieberhaft weitergesucht. Kevin hatte ebenso wie der Design-Student Khalil G. (23) in einer Dachgeschosswohnung eines Hauses neben dem Stadtarchiv gelebt. Beide Männer galten seit dem Einsturz als vermisst. Zurzeit gebe es keine Hinweise auf weitere Opfer, sagte Clauer. Hundertprozentige Sicherheit wird es nach den Worten von Feuerwehr-Sprecher Stephan Neuhoff allerdings erst geben, wenn "der letzte Stein umgedreht ist". Die Feuerwehr hatte erst am Freitag intensiv mit der Suche nach den beiden vermissten jungen Männern im Alter von 17 und 23 Jahren beginnen können. Zuvor wäre das Betreten der Unglücksstelle für die Helfer zu gefährlich gewesen. Übrig gebliebene Gebäudeteile drohten einzustürzen, und der Boden sackte immer wieder weg. Deshalb mussten zunächst Hausruinen abgerissen werden. In das Erdreich wurde massig Beton gefüllt, um es zu stabilisieren. "Es ist ganz sichergestellt, dass weder die Verschütteten noch Archivgut durch Beton geschädigt wurden", betonte der Feuerwehrsprecher.

Inzwischen brachten Helfer zum Schutz
der verschütteten Dokumente des Stadtarchivs weitere wasserdichte Folien auf dem Schuttberg an. Zugleich setzte die Feuerwehr die Arbeit an einem 40 Meter breiten Schutzdach über der Unglückstelle an der Severinstraße fort. Die wertvollen Archiv-Materialien gelten zusätzlich durch den ausgiebigen Regen als gefährdet, der in den vergangenen Tagen über Köln niederging.

Die Staatsanwaltschaft Köln erweiterte ihre Ermittlungen gegen Unbekannt um den Tatbestand der fahrlässigen Tötung. Bisher liefen die Untersuchungen wegen des Verdachts auf Baugefährdung und fahrlässige Körperverletzung. Das Archiv und zwei Nachbarhäuser waren am Dienstag eingestürzt, vermutlich infolge des U-Bahn-Baus. Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) stehen deshalb in der Kritik. Medien berichten, Experten hätten bereits vor fünf Jahren die Arbeiten beim Kölner U-Bahn-Bau bemängelt.

Die KVB entschuldigte sich für das bei offenkundig U-Bahn-Bauarbeiten entstandene Unglück. KVB-Chef Jürgen Fenske sagte, "dass ich mich auch entschuldigen möchte für das, was passiert ist". Die Entschuldigung richte sich an die Angehörigen der Opfer, die geschädigten Anwohner und all diejenigen, "die sich nun Sorgen machen um ihre Situation". Dies sei aber ausdrücklich kein Schuldeingeständnis.
 

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