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Bundeskanzlerin mit Seitenhieb aus der eigenen
Koalition wiedergewählt!
Volker Labes, Berlin
28.10.09
Angela
Merkel (CDU) ist wieder zur Bundeskanzlerin gewählt worden. Sie
bekam bei der geheimen Abstimmung 323 Stimmen der 612
Bundestagsabgeordneten. Vier enthielten sich, 285 stimmten mit Nein.
Für die absolute Mehrheit wären 312 Stimmen notwendig gewesen. Union
und FDP haben zusammen 332 der 622 Sitze im Parlament. Das Ergebnis
entsprach einer Zustimmung von 52,8 Prozent der abgegebenen Stimmen.
Damit erhielt Merkel nicht alle Stimmen der schwarz-gelben
Koalition. Bei Union und FDP waren nach Angaben von
Fraktionssprechern am Morgen alle 332 Abgeordnete zum Zählappell
erschienen. Die Liberalen stimmten nach Angaben der Fraktionschefin
Birgit Homburger geschlossen für Merkel. Nach der Abstimmung spielte
die Union die Bedeutung der Stimmenzahl herunter. Der bisherige
Berliner CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer äußerte sich gelassen
über die fehlenden Stimmen für Merkel. Er erinnerte im TV-Sender
Phoenix daran, dass "noch nie" in der Nachkriegszeit ein Kanzler
oder eine Kanzlerin alle Stimmen der eigenen Koalitionsfraktionen
auf sich vereinigen konnte. Insofern reihe sich das jetzige Ergebnis
für Merkel in diese "Regelmäßigkeit" ein.
Merkel nahm
die Wahl zur Kanzlerin an und bedankte sich für das Vertrauen. Die
55-Jährige bekommt am Mittag von Bundespräsident Horst Köhler im
Schloss Bellevue die Ernennungsurkunde ausgehändigt. Am Nachmittag
wird sie dann im Bundestag vereidigt. Anschließend wiederholt sich
das Zeremoniell für die 15 Minister des Kabinetts.
Nach vier
Jahren Großer Koalition ist Merkel damit die Kanzlerin, die während
der Regierungsjahre den Koalitionspartner wechselt. Für die FDP geht
- fast auf den Tag genau - nach elf Jahren die Zeit der Opposition
vorbei. Ihr Parteichef Guido Westerwelle, 47, wird neuer
Außenminister und Vizekanzler. Die Liberalen stellen im Kabinett
insgesamt 5 Minister. Die CDU bekommt neben dem Kanzleramt 6
Ministerien, die CSU 3.
SPD und
Grüne haben empört auf die Weigerung von Merkel reagiert, nach ihrer
Wiederwahl unverzüglich eine Regierungserklärung vor dem Bundestag
abzugeben. Dies sei eine "Missachtung" des Parlaments, sagte Grünen-
Fraktionschefin Renate Künast am Mittwoch in Berlin. Es sei völlig
unverständlich, dass die Kanzlerin "durch die Welt fliegt", statt
vorher im Bundestag die Pläne der neuen Regierung vorzustellen.
Künasts Mitvorsitzender Jürgen Trittin sprach von einem "Ausdruck
der Arroganz".
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