|
Hilfeleistung- oder rette dein Leben?!
Diese Frage steht im Raum nachdem ein engagierter Bürger in München-
Solln der Jugendlichen helfen wollte zu Tode geprügelt wurde.
Volker
Labes, Berlin
15.09.2009
Solln, ein beschaulicher Ortsteil mit
überdurchschnittlich hohem Akademikeranteil, der offene und pure
Gewalt, wie sie am Wochenende ausbrach, bislang nicht kannte. Kerzen
und Schnittblumen verdecken den Blutfleck auf dem Bahnsteig der
Linie S 7 am Bahnhof, der zu einer kleinen Gedenkstätte geworden
ist. Hier ist der 50 Jahre alte Dominik Brunner aus Ergoldsbach im
Kreis Landshut gestorben - weil er anderen helfen wollte. Sein
sinnloser Tod zeigt, wie sehr sich zwei Pole dieser Gesellschaft
voneinander entfernt haben. Auf der einen Seite der selbstlose
Helfer, der auch als Manager in seinem Unternehmen immer die Nähe zu
seinen Mitarbeitern suchte, für Ausgleich und Versöhnung stand. Auf
der anderen Seite brutale junge Menschen, die nur das Faustrecht
kennen und für das Gemeinwesen verloren sind. Eine Begegnung mit
tragischen Folgen, die ein verheerendes Signal liefert: Sind
Hilfsbereitschaft und Zivilcourage lebensgefährlich?
Mit
unvorstellbarer Gewalt haben zwei Jugendliche Münchner, Markus Sch.
(18) und Sebastian L. (17), den Mann geprügelt und getreten. Die
Mediziner zählten 22 Verletzungen an Kopf und Oberkörper, die das
Opfer innerhalb weniger Minuten erlitten haben muss. Während der
Attacken soll es mit dem Kopf gegen ein Geländer geprallt sein. Eine
genaue Todesursache hat die Obduktion bislang nicht ergeben. Und das
nur 800 Meter vor seiner Wohnung! Nachbarn versuchen das Geschehene
zu verarbeiten. "Dass der Mann für seine Zivilcourage bestraft
wurde, ist doppelt schrecklich", sagt eine Nachbarin.
Dabei hatte
sich Dominik Brunner so verhalten, wie Polizei und Psychologen immer
wieder raten. Er hatte beobachtet, wie vier Jugendliche, eigentlich
noch Kinder zwischen 13 und 15 Jahren, bedrängt und bedroht wurden.
Und als sie die geforderten 15 Euro nicht herausgeben wollten, gab
es Schläge. Dominik Brunner versuchte zu schlichten, strahlte dabei
überlegte Gelassenheit aus. Er verständigte mit seinem Mobiltelefon
die Notrufzentrale und nannte präzise die Haltestelle, an der er
aussteigen würde. Aber als die Einsatzkräfte dort eintrafen, lag das
Opfer lebensgefährlich verletzt auf dem Bahnsteig. Dominik Brunner
hatte nicht ahnen können, zu welcher brutalen Gewalt die beiden
Täter fähig waren.
Junge
Menschen, über die der "Focus" schreibt: "Halbstarke im Blutrausch".
Halbwüchsige, die jetzt in Untersuchungshaft sitzen und auf Anraten
ihrer Anwälte schweigen. Bei Markus Sch. wurde ein Blutalkoholwert
von 0,89 Promille festgestellt, Sebastian L. hatte nichts getrunken.
Beide sind arbeitslos, haben keine Berufsausbildung, keine
Perspektive.
Wer aber
stellt sich noch Gewalttätern in den Weg? Ist die viel beschworene
Zivilcourage keine Option mehr, wenn man alleingelassen wird? Konrad
Freiberg, Chef der Polizeigewerkschaft GdP, empfand "Trauer und
Wut". Das Opfer, meinte er, habe "vorbildlich" gehandelt. Aber was
alles nützt dem getöteten jeglicher Zuspruch hinterher. Wo sind die
Zeugen die gehört haben wie der Dritte, jetzt ebenfalls verhaftete
Christoph T. geschrien haben soll das die beiden Täter „es ihnen
richtig geben sollen“? Warum haben sie nicht eingegriffen und das
alles zu verhindern versucht?
Fragen, die
die Politik sich stellen und der Richter beim Strafmaß doch bitte in
seine Überlegungen mit einbeziehen sollte. Ansonsten endet es wie
immer, verurteilt wegen Mordes zu einer Jugendstrafe von 10 Jahren,
denn das ist für Jugendliche Straftäter das gesetzliche
Höchststrafmaß in Deutschland!
|