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Bäuerinnenprotest vor Bundeskanzleramt!
250 Milchbäuerinnen kampieren seit Montagabend auf einer Wiese in Sichtweite des Bundeskanzleramts. Aus dem ganzen Land sind sie gekommen, um auf die Not aufmerksam zu machen. Ein Erzeugerpreis von 24 Cent pro Liter Milch im Süden und 17 Cent im Norden der Republik geht den Landwirten an die Substanz.


Volker Labes, Berlin

15.05.2009

Mit 40 Cent wären ihre Ausgaben gedeckt, hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter errechnet, der die Aktion auf die Beine gestellt hat. Die Bäuerinnen wissen, den Milchpreis werden sie auf der Berliner Liegewiese nicht ändern können, ihnen geht es um eine Botschaft: "Wir wollen, dass die Kanzlerin uns anhört. Sie soll wissen, wie es uns geht", sagt Steffi Butscher. Zusammen mit fünf anderen ist die Bäuerin aus Möllenbronn in Baden-Württemberg am Mittwoch in Hungerstreik getreten. Wasser trinkt sie, Kaffee und Tee. "Vielleicht merkt die Kanzlerin so, wie ernst es uns ist." Immer wieder telefoniert sie mit ihren beiden Buben zu Hause. Weil ihr Mann ebenfalls in Berlin ist, versorgen die elf und 15 Jahre alten Jungs seit Montag zusammen mit einem Nachbarn die 110 Kühe und Kälber im Stall. "Mami, ihr bleibt, bis ihr es habt", haben die Jungs sie wissen lassen.

Peter Ramsauer hat Schwierigkeiten mit dem Megafon. Es pfeift. Noch nie habe er in so ein Ding gesprochen, sagt der Chef der CSU-Landesgruppe. Ramsauer versucht die Frauen mit Worten zu herzigen, fragt, ob er bayerisch sprechen dürfe. Er will den christsozialen Bauernversteher geben, doch seine Sätze greifen ins Leere. Er habe nicht früher Zeit gehabt, habe aber Vertreter geschickt, die CSU sei doch die einzige Partei, die sich um die Belange der Bauern kümmere, und überhaupt hätte die Aktion ihm früher bekannt werden müssen.

"Es geht um die Milch", unterbricht eine Bäuerin, als Ramsauer von den Verdiensten der CSU um die Erbschaftsteuer redet. "Wenn wir uns nicht für eine gerechte Erbschaftsteuer engagieren, dann könnt ihr eure Höfe nicht an die nächste Generation übergeben", sagt Ramsauer. "Wir brauchen sie nicht vererben, weil wir bis dahin kaputt sind", ruft die Menge. Tränen fließen. Eine der Frauen greift sich das Megafon und richtet es gegen den Politiker. Heiser klingt sie; die Bäuerinnen schlafen seit Tagen in ihren Schlafsäcken auf dem Boden, Matten und Zelte hat das Ordnungsamt verboten - des Rasens wegen. Es müsse was passieren, droht sie, "sonst geht es euch bei der nächsten Wahl wie bei der letzten in Bayern, und keiner wählt euch mehr. Alle müssen an einen Tisch, ein Milchgipfel muss her."

Vor einem Jahr haben die Bauern ihre Milch für knapp zwei Wochen weggeschüttet, um höhere Preise zu erstreiken. Diese gerade in den Augen der Bauern barbarische Tat ließ ihr Produkt in der Wahrnehmung für kurze Zeit wieder ein richtiges Lebensmittel - ein Mittel zum Leben - werden. Kaum einen Politiker gab es damals, der sich nicht solidarisch erklärte. Die Preisentwicklung der vergangenen Wochen, die kaum 50 Cent, die in Discountern noch für einen Liter Milch zu zahlen sind, haben die Bauern desillusioniert. 

 

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