Deutsche machen viele Überstunden!
Volker Labes, Berlin
15.09.08
Die
Arbeitszeiten in Deutschland sind in der europäischen
Spitzengruppe: Einer Vergleichsstudie zufolge wird nur in vier
Ländern länger gearbeitet als hier. Dabei ist die tarifliche
Arbeitszeit in Deutschland vergleichsweise eigentlich gering
geregelt.Die tatsächliche Wochenarbeitszeit in Deutschland sei seit
2003 um 3,3 Stunden auf 41,1 Stunden angestiegen, heißt es in einer
Arbeitszeiterhebung der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der
Lebens- und Arbeitsbedingungen. Nur die Arbeitnehmer in Tschechien,
Großbritannien und Bulgarien - dem Spitzenreiter mit 41,7 Stunden -
arbeiteten in der Praxis noch länger. Schlusslicht ist Frankreich
mit 37,7 Stunden, der EU-Schnitt liegt bei 40 Stunden.
In Deutschland
arbeiteten die Arbeitnehmer deutlich mehr als tariflich vereinbart:
Die in den Tarifverträgen festgelegte Wochenarbeitszeit liegt in
Deutschland bei nur 37,6 Stunden. Das ist eine Stunde weniger als
der EU-Durchschnitt. Die Beschäftigten hierzulande müssten aber mehr
Überstunden machen als in anderen europäischen Ländern. Außerdem
hätten immer weniger Unternehmen eine Tarifbindung. Darum liege die
tatsächliche Wochenarbeitszeit höher als die tarifliche Arbeitszeit.
Die
Arbeits- und Sozialminister der EU hatten sich im Juni auf eine neue
Arbeitszeitrichtlinie verständigt. Danach darf die durchschnittliche
Wochenarbeitszeit maximal 48 Stunden betragen, in Ausnahmefällen
sind bis zu 65 Stunden möglich. In Deutschland darf die wöchentliche
Arbeitszeit 48 Stunden ohnehin nicht überschreiten. In Frankreich
steht dagegen die gesetzlich festgelegte 35-Stunden-Woche vor dem
Aus: Dort können künftig Betriebe mit ihren Belegschaften längere
Arbeitszeiten aushandeln.
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