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Dem Osten Deutschlands droht Rentnerarmut!
Volker Labes, Berlin
Berlin 15.04.08
Mittelfristig droht in
Deutschland eine starke Zunahme von Altersarmut - vor allem in den
neuen Bundesländern. Die Zahl der verhältnismäßig "reichen"
Nachwenderentner werde sich verringern und großteils durch
vergleichsweise "arme" ersetzt werden. So heißt es in einer Analyse
des Finanzministers von Sachsen-Anhalt, Jens Bullerjahn, und des
Sozialministers von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering. Gründe
seien die Arbeitsmarktkrise und die niedrigen Löhne nach der Wende.
Die Analyse von Bullerjahn und Sellering betont, insgesamt hätten
Geringverdienende und Arbeitslose ein erhöhtes Risiko auf
Altersarmut.
Doch in Ostdeutschland sei die Situation verstärkt. "Je länger die
Wiederherstellung der deutschen Einheit im Jahr 1990 zurückliegt, um
so mehr verlieren die kontinuierlichen Erwerbsbiographien der
DDR-Zeit für den Aufbau von Rentenanwartschaften an Bedeutung",
heißt es in der Analyse. Zwar habe sich auch im Westen die
Arbeitsmarktlage seit den 70er Jahren verschlechtert, der Osten ist
demnach aber wegen des allgemein niedrigeren Rentenwertes, des
niedrigeren Lohnniveaus und der oftmals höheren Arbeitslosigkeit
vergleichsweise stärker betroffen. So stagnieren die Ostlöhne
seit Jahren im Durchschnitt bei rund 80 Prozent der Westlöhne.
Der Anteil der Personen in Haushalten, die mindestens sechs Monate
Arbeitslosengeld II bezogen haben, sei doppelt so hoch wie in
Westdeutschland. Und das obwohl uns zur Wende blühende Landschaften
versprochen wurden, von wem auch immer!?
Vor allem für die jüngeren
Jahrgänge steigt demnach das Risiko von Altersarmut. Während derzeit
die Rentenhöhe bei Männern in den neuen Bundesländern bei
durchschnittlich 967 Euro liege, könne die Gruppe der 1957 bis 1961
geborenen Männer nur noch mit 820 Euro rechnen. Bei den Frauen sinke
die Rente von derzeit durchschnittlich 785 Euro auf 690 Euro. Auf
noch niedrigerem Niveau liege die Rente bei den westdeutschen
Frauen, wo sie von 579 Euro auf 623 Euro steige. In den neuen
Ländern kommt dem Bericht zufolge erschwerend die besonders hohe
Abhängigkeit von der gesetzlichen Altersversicherung hinzu.
Während in den alten Bundesländern 74 Prozent der
Alterssicherungsleistungen aus der gesetzlichen Rente kommen,
betrage der Anteil in den neuen Ländern 99 Prozent. Die Erträge aus
privater Altersvorsorge, beispielsweise aus Mieteinnahmen und
Lebensversicherungen, betrage weniger als die Hälfte des
Westniveaus. DGB-Chef Michael Sommer befürchtet das in spätestens 15
Jahren Millionen Rentner - sofern nichts passiert - von Sozialhilfe
leben müssen. Das Thema Altersarmut werde völlig unterschätzt. "Für
ein Jahr Hartz IV bekommt man später 2,19 Euro monatliche Rente",
sagte Sommer der "Bild"-Zeitung.
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