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Volker Labes, Berlin.: Foto: Jan Hansen - sfm.no.
Berlin - sfm.no
12.08.2008
Mindestens
136 Menschen wurden einer aktuellen Studie zufolge zwischen 1961
und 1989 an der Berliner Mauer getötet oder kamen in
unmittelbarem Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben –
zwei mehr als bisher angenommen. Das ist der derzeitige Stand
des gemeinsamen Forschungsprojekts „Die Todesopfer an der
Berliner Mauer 1961 – 1989“ der Gedenkstätte Berliner Mauer und
des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam.
374
Fälle wurden geprüft,
sagte Projektleiter Hans-Hermann Hertle. 15 Fälle sind trotz
intensiver Recherchen nicht aufzuklären, weiter 16
Verdachtsfälle werden noch bearbeitet. 159 Verdachtsfälle
konnten durch die Forschungen als Mauertote ausgeschlossen
werden, hieß es. Darunter sind auch 19 Menschen, die an der
Berliner Mauer verletzt wurden und überlebten, aber auf
verschiedenen veröffentlichten Listen als Todesopfer genannt
werden.
Seit Jahren wird über die Zahl der Maueropfer gestritten. So
seien die Angaben der Zentralen Beweismittel- und
Dokumentationsstelle der Länder in Salzgitter für DDR-Unrecht zu
niedrig, weil dort nur die Todesfälle durch Fremdeinwirkung
erfasst wurden, sagte Hertle. Ertrunkene seien nicht erfasst
worden, obwohl fast die Hälfte der Fluchtversuche in Berlin
übers Wasser führten. Die Angaben der „Arbeitsgemeinschaft 13.
August“ seien dagegen zu hoch angesetzt.
Die
jetzt vorgelegten Zahlen
beruhten auf gründlichen Nachforschungen, der erstmaligen
Auswertung von Akten der Mauerschützenprozesse und auf
Zeitzeugenbefragungen, sagte Hertle. Die von
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) finanziell geförderten
Forschungen sollen bis Jahresende abgeschlossen sein und 2009 in
Buchform vorliegen.
Es gehe aber weniger um die Zahlen als um die einzelnen Opfer,
sagte Hertle. Eigentlicher Schwerpunkt des gemeinsamen Projektes
sei darum die Erforschung und Dokumentation der Schicksale der
Mauertoten. Die ersten 33 Biographien seien von sofort an im
Internet unter www.chronik-der-mauer.de abrufbar. Unter den 136
Todesopfern sind Männer, Frauen und Kinder.
Ida
Siekmann, geboren am 23. August 1902
in Gorken, war der Studie zufolge am 22. August 1961 das erste
Maueropfer. Sie sprang am Tag vor ihrem 59. Geburtstag aus der
dritten Etage ihres Wohnhauses in der Bernauer Straße 48 auf den
in West-Berlin gelegenen Bürgersteig. Sie hatte lediglich einige
Federbetten auf den Gehweg geworfen, die ihr jedoch keinen
ausreichenden Schutz boten. Sie stürzte zu Tode. Auch ihr
Schicksal soll noch ausführlicher aufbereitet werden.
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