|
Familienfreundlicher Osten!
Volker
Labes, Berlin
05.10.07
Potsdam ist Deutschlands
familienfreundlichste Stadt. Auch der hohe Norden mit den Kreisen
Nordfriesland und Schleswig bietet Familien ein rundum positives Umfeld.
Im Süden zählen die Kreise Garmisch-Partenkirchen,
Breisgau-Hochschwarzwald, und Tübingen zu den Top-Adressen für Familien,
zu denen sich sechs weitere Gebietskörperschaften im Norden
Baden-Württembergs, in Rheinland-Pfalz und Franken gesellen. Den
Kommunen Ostdeutschlands bescheinigt der „Familien-Atlas 2007“ insgesamt
vorbildliche Bemühungen um Familien, tief im Westen sieht es dagegen
mehrheitlich trist aus. Ganz so einfach interpretierbar, wie die
vielfarbige Deutschlandkarte es andeutet, ist die „Rangliste“ der 439
deutschen Städte und Kreise in Sachen Familienfreundlichkeit indessen
nicht.
Anhand von 30 Indikatoren in sechs Hauptkategorien haben die Forscher
des Prognos-Institutes im Auftrag des Bundesfamilienministeriums und des
Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) die
Familienfreundlichkeit in den einzelnen Regionen geprüft und zugeordnet.
Ergebnis: Städte wie Köln oder Leverkusen bieten zwar ein immerhin
durchschnittliches Angebot an Arbeitsplätzen, und die Alterung der
Einwohnerschaft ist andernorts dramatischer. In Bezug auf Wohnumfeld,
Freizeitangebote, Kinderbetreuung und Klassenstärke stehen dagegen die
meisten Gemeinden in den neuen Ländern weitaus besser da.
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) betonte, der Atlas
zeige den Gebietskörperschaften Handlungsmöglichkeiten und
-notwendigkeiten für gesteigerte Familienfreundlichkeit auf: „Jede der
einzelnen Regionen hat es selbst in der Hand, etwas zu tun.“ Dass
insgesamt betrachtet der Westen der Republik in Sachen Arbeitsmarktlage
und Altersstruktur der Bevölkerung im Durchschnitt besser abschneidet
als der Osten, ist auch 17 Jahre nach der Wiedervereinigung wenig
überraschend.
Fakt ist aber auch, dass die ostdeutschen Städte und Gemeinden im
Durchschnitt weitaus mehr tun, um junge Familien zu gewinnen, als die
meisten westlichen. Der Befund gewinnt an Brisanz, da immer mehr
Unternehmen Familienfreundlichkeit als bedeutsamen „Standort- und
Entwicklungsfaktor erkannt“ hätten, wie DIHK-Präsident Ludwig Georg
Braun sagte. Dass das Thema Familie sich binnen weniger Jahre vom
„Gedöns“ zum Gegenstand auch wirtschaftlicher Aufmerksamkeit entwickeln
konnte, hat auf der Hand liegende Gründe: Wo Familie ist, sind Kinder,
und Kinder sind - ökonomisch betrachtet - die Arbeitskräfte von morgen.
Je besser die Berufsausbildung vor Ort, je kleiner die Schulklassen, je
höher die Betreuungsschlüssel in Kindergärten und Krippen, je
vielfältiger die Sport-, Bildungs- und Freizeitangebote, desto
chancenreicher wachsen Kinder auf, desto größer sind ihre
Entwicklungsmöglichkeiten, desto positiver sind ihre Aussichten am
Arbeitsmarkt.
|