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183 Gewaltopfer bei Kindern!

Volker Labes, Berlin

01.06.11

Die Zahl der durch Gewalt ums Leben gekommenen Kinder in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr um 20,4 Prozent erhöht. Insgesamt wurden 183 Mädchen und Jungen unter 14 Jahren getötet, im Jahr 2009 waren es 152, wie der Bund Deutscher Kriminalbeamter und die Deutsche Kinderhilfe auf Grundlage einer Auswertung der Kriminalstatistik 2010 mitteilten. Unter den getöteten 183 Kindern waren 129 noch keine sechs Jahre alt. 2009 waren es 123 getötete Babys und Kleinkinder. Entgegen dem Trend einer allgemein sinkenden Kriminalität nahm der Auswertung zufolge auch die Zahl der erfassten Fälle von Kindesmisshandlung zu. Sie stieg um sieben Prozent auf 4400 Fälle an. Nach einer Abnahme in den Vorjahren erhöhte sich zudem auch die Zahl der registrierten Opfer von sexuellem Missbrauch um 2,7 Prozent auf 14 696.

Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, sprach von einem "tragischen Ausmaß". Dass jeden zweiten Tag in Deutschland ein Kind getötet werde, müsse mehr als nachdenklich stimmen. Ziercke forderte die Bürger auf, Gewalthandlungen gegen Kinder konsequenter anzuzeigen. Georg Ehrmann, Vorstandschef der Deutschen Kinderhilfe, hielt der Bundesregierung Verantwortungslosigkeit vor. Die Opfer seien ein hoher, bitterer Preis für bislang versäumte Reformen. Für die Jugendämter forderte Ehrmann verbindliche und einheitliche Standards. Auch Schulen und Ärzte müssen mehr eingebunden werden. Die Bundesregierung hat im März ein Kinderschutzgesetz auf den Weg gebracht, das 2012 in Kraft treten soll.

Ein erster Schritt zur Verbesserung der Prävention wurde gestern getan: Nach mehreren tragischen Fällen bekommen die Jugendämter nun strengere Auflagen. Der Bundesrat beschloss eine Änderung des Vormundschafts- und Betreuungsrechts, nachdem das Gesetz bereits den Bundestag passiert hatte. Demnach muss künftig jeder Vormund ein von ihm betreutes Kind in der Regel einmal im Monat persönlich besuchen. Um dies zu ermöglichen, darf er künftig nur noch für höchstens 50 Kinder zuständig sein. Ein Auslöser für die Änderung war der Fall des zweijährigen Kevin, der 2006 in Bremen von seinem Stiefvater zu Tode geprügelt worden war. Kevins Vormund hatte mehr als 200 Kinder betreut.
 


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